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  • 15.11.18: Mit einem Klick zum Erfolg

    Die Erfolgsleiter überarbeitet! Ausführliche Tipps aus dem Buch.

  • 04.10.18 Das Gehirn im Glas

    Leseprobe hier veröffentlicht!

  • 29.09.18: Mobile Version

    Mobile-Version für Website hinzugefügt

Das Gehirn im Glas

Wieso wir Schwachsinn träumen

„Ein Zombiemann, der noch ein gesundes Bewusstsein hatte, saß mit uns am Küchentisch und gab mir zwei Getränke. Eine normale Tasse mit Kaffee und eine wirklich hässliche Tablettendose mit Kaffee. Ich dachte mir, dass in der Dose vielleicht Gift drin sein könnte. Doch als ich die Dose in die Hand nahm und diese begutachtete, zwinkerte mir der Zombiemann freundlich zu und ich verstand sofort: Das war ein Gegengift. Irgendwann in unmittelbarer Zeit werde ich bestimmt vergiftet. Doch durch das Gegengift wird mir dieses nichts anhaben können. Meine Eltern und ich gingen mit dem Nachbarshund im Wald spazieren, doch wir vergaßen, ihn an eine Leine zu binden. Ich rief ihn bei einem Fluchtversuch herbei und zog ihn den ganzen Weg mit mir mit. Irgendwann traf ich auf einen bösen Zombie, der mich versuchte zu vergiften, aber sich wunderte, dass es nicht funktionierte. Später war ich in einer Straße, an der viele Kinder rumspielten. Direkt daneben befand sich die Brücke, an der der nette Zombie und der böse waren. Der Nette hat dem Bösen wahrscheinlich etwas angetan, denn dieser war dumm und hatte sämtliche Erinnerungen verloren. Seine Bosheit war erloschen. Später war ich mit dem „dummen“ Zombie in einem Supermarkt. Zurück im neuem Haus, stellten meine Eltern fest, dass vieles nicht funktionierte...kein Wasser war vorhanden, ständiger Stromausfall...“

Mara Neumann, "Träume - unser eigenes Universum"

Der folgende Artikel ist ein Auszug aus meinem unveröffentlichtem Buch "Träume - unser eigenes Universum". Bis das Buch endgültig herauskommt, dient der Auszug als Leseprobe. Diese beschäftigt sich mit der Frage, warum uns Träume so unstrukturiert und sinnfrei erscheinen.

Wenn etwas verarbeitet wird, träumen wir von sehr vielen merkwürdigen Ereignissen, die meistens nichts mit unseren tatsächlichen Gedanken und Lebenssituationen zu tun haben. Das denken wir zumindest. Wieso sollte man davon träumen, dass sich sein fester Freund in einen fünfäugigen Mutanten verwandelt, der versucht einen aufzufressen? Ist das nicht unrealistisch? Nein, das ist es nicht. Warum diese Vorstellung nicht ganz von der relativen Realität des Träumenden abweicht, erkläre ich später. Alles was wir träumen, muss es schon auf irgendeiner Weise gegeben haben. Damit möchte ich nicht sagen, dass man einem Mutanten begegnet sein muss, um von ihm zu träumen. Schließlich ist der Mensch kein primitiver Roboter, der einfachen Befehlen folgt. Das Gehirn besteht aus einem riesigen Netzwerk aus Neuronen, die alle miteinander verbunden sind. Dadurch gibt es mehrere Kombinationsmöglichkeiten beim Denken. Die visuelle Information und eine ungefähre Vorstellung eines Mutanten, reicht vollkommen aus, um von so einem zu träumen. Selbst, wenn man sich nie bewusst einen Mutanten ausgemalt hat. Jeder hat eine Assoziation mit dem Wort „Mutant“, vorausgesetzt dieses Wort ist bekannt. Assoziationen spielen für Träume eine sehr große und entscheidende Rolle. Was würde man ohne Assoziationen träumen?

Stelle dir folgendes Experiment vor: Ein Gehirn bis zum Alter eines Kindes wird synthetisch in einem Versuchsglas herangezüchtet. Das Gehirn befindet sich in einer Nährlösung mit einer normalen Körpertemperatur. Es ist zudem an Schläuchen angeschlossen, die das Gehirn dauerhaft mit nötigen Nährstoffen, wie z.B. Glucose und anderen lebensnotwendigen Stoffen, wie Blut und Sauerstoff, versorgt. Dieses Gehirn ist also voll funktionsfähig und sollte genauso funktionieren wie ein normales menschliches Gehirn. Doch was passiert in diesem Gehirn? Kann man komplexe Strukturen erwarten, wie bei dem eines anwachsenden Kindes? Die Strukturen sind durch die Erbanlage sehr wohl vorhanden, doch werden sie nicht genutzt. Das Gehirn erhält keinerlei Informationen aus seiner Umwelt, außer von den Faktoren, die ihn am Leben halten. Doch diese werden nicht bewusst wahrgenommen, denn ein Bewusstsein, wie nach unserer Definition, hat sich nicht entwickeln können. Zumindest ist es inaktiv und würde nur dann allmählich erwachen, wenn Informationen aus der Umwelt kämen. Das Gehirn hat keine Quelle, aus die er Informationen bearbeiten kann, es hat keinen Körper mit Muskeln, die er zum Bewegen von Gliedmaßen benutzen könnte, keine Augen zum Sehen und keinen Mund zum Artikulieren. Und selbst wenn er sprechen könnte, so würde er keinen Ton von sich geben. Selbst der Überlebensinstinkt ist deaktiviert, solange das Gehirn ordnungsgemäß versorgt wird und kein Körper vorhanden ist, mit dem er verbunden wäre.

Vermutlich tut sich trotzdem etwas im Gehirn, denn lebensnotwendige, biochemische Reaktionen sind dennoch zu erwarten. Aber die Aktivität ist so gering, dass einige Menschen gar nicht von einem Leben sprechen würden. Ist die einzige Voraussetzung vom Leben nicht einfach die Existenz an sich? Nein, denn definitionsgemäß muss etwas lebendig sein, damit von einem Leben gesprochen werden kann. Für Lebendigsein ist eine kausale Wechselbeziehung zwischen Lebewesen und ihre Umwelt von Nöten. Ohne Umwelt kann ein Lebewesen nicht überleben. Um alleine, also ohne fremde Hilfe, überleben zu können, muss ein Lebewesen die Umwelt wahrnehmen können. Nicht alle Organismen haben unsere fünf Sinne, denn zum Überleben reichen schon einfachere Strukturen, die abiotische Faktoren, wie z.B. Lichtintensität sensorisch erfassen können. Die Information über die Lichtintensität wird durch eine Signalkette weitergeleitet, die schließlich zur Antwort führt. Das können Gene sein, die sich an- und abschalten und somit körperliche Prozesse den Umweltfaktoren anpassen. Diesen Mechanismus nennt man auch Signaltransduktion. Diese Signaltransduktion kann aber auch nur erfolgen, wenn Reize aus der Umwelt überhaupt wahrgenommen werden können. Ansonsten arbeitet ein Organismus nur auf Grundlage der momentanen inneren Bedingungen – also unabhängig von der Umwelt.

 

Bei unserem gezüchteten Gehirn kann also kein Signaltransduktionsprozess eingeleitet werden, da ihm die sensorische Wahrnehmung fehlt. Biochemische Reaktionen laufen in Dauerschleife, ohne jegliche Veränderung, ab. Würde man das Gehirn aber an einem Hörorgan anschließen, könnte das Gehirn sich keinen Reim aus den Reizen machen. Es würden zwar neue Informationen verarbeitet werden, aber es würde nicht viel ändern. Erst die Freiheit zu Erkunden kann ein Bewusstsein vollständig ausbilden. Unser Gehirn bräuchte nun einen Körper und mehr Sinnesorgane. Wenn er nun aber an einem Hörorgan angeschlossen ist, der die Geräuschkulisse im Labor aufnimmt, würde er von den Geräuschen träumen? Gewiss nicht. Träumen ist ein Begriff, den man bei bewusstseinsfähigen Lebewesen verwendet. Ohne Bewusstsein gibt es auch keine Träume. Für Träume ist ein Bewusstsein vorausgesetzt, denn diese Instanz unterscheidet sich eben von dem Unterbewusstsein, welches für die Träume zuständig ist. Theoretisch könnte man also sagen, dass das Leben des Gehirns ein einziger Traum ohne Träume ist.

 

Doch was ist, wenn das Gehirn bereits einen menschlichen Körper hatte? Betrachten wir ein zweites theoretisches Experiment. In seinem Leben als Mensch hieß er Tom und wurde 22 Jahre alt. Er hatte eine Kindheit, Schullaufbahn und viele emotionale Erfahrungen. Er hatte eine liebevolle Familie und eine Freundin, die er liebte. Seine Persönlichkeit, Erinnerungen und Bewusstsein sitzen in seinem Gehirn, abgekoppelt von der Umwelt. Was dann passieren würde, ist sicherlich nur Spekulation. Tom wäre noch in der Lage zu denken und zu träumen, doch irgendwann würde diese Bewusstseinsgrenze verschwimmen. Würde man postulieren, dass er kein Trauma erleiden würde, so würden sich seine Gedanken erst um seinen Zustand kreisen. Er wäre wie gelähmt, wie in einem Koma. Er würde seinen alten Körper noch spüren und denken, dass er einfach nur unfähig wäre, diesen zu bewegen. Irgendwann ist seine Aufmerksamkeit seiner Vergangenheit gewidmet – das Einzige, was ihm noch bleibt. Doch diese Erinnerungen wären geprägt von Verlustschmerz. Der Wille zu Leben würde schwinden, doch wegen der Umstände kann er nicht sterben. Irgendwann verlieren seine Gedanken an Intensität, denn der Faktor der synaptischen Verbindungen, die mit Erinnerungen zu tun haben, nimmt mit der Zeit ab. Tom erhält keine äußerlichen Reize, die seine Erinnerungen am Leben halten. So verschwindet Tom über Jahre allmählich und regrediert langsam zum Zustand des Gehirns aus dem vorherigen Experiments. Vielleicht wäre es sogar möglich aus eigener Kraft die Erinnerungen durch wiederholtes Erinnern zu erhalten, aber in Toms Zustand kann man ihm dies nicht zumuten. Das Leben ohne Interaktion mit der Umwelt hat einfach keinen Sinn. Auch Toms Träume werden grauer. Im wahrsten Sinne des Wortes. Nicht nur die Erinnerungen verlieren ihre Relevanz, sondern auch alle anderen Erfahrungen, die Tom gemacht hat – mit Farben, Formen, Gefühlen, Stimmen und Gegenständen. Einfach alles. Geschieht dies, so gibt es irgendwann keine klare Abgrenzung mehr von Traum und vollem Bewusstsein. Tom hat irgendwann keinen Vergleich mehr. Träume sind seine neue Realität. Gleichzeitig wird das Bewusstsein immer inaktiver. Es nähert sich dem Zustand des Gehirns aus dem ersten Experiments jedoch nur an. Da Nervenzellen nicht ohne Grund absterben, ist Tom lebendiger, als das herangezüchtete Gehirn, doch laut Definition nicht mehr als solches zu bezeichnen. Alles was von ihm bleibt ist ein Echo – Träume. Oder eben genau das Gegenteil : Keine Träume, denn das Bewusstsein entwickelt sich zurück, weshalb man nun von einem dauerhaften Traumzustand sprechen könnte.

 

Somit wird klar, dass Träume ohne Informationen aus der Umwelt nicht zustande kommen können. Auch Tom träumt von Dingen, über die er nie nachgedacht hat. Er besitzt aber die Informationen über die Existenz dieser außergewöhnlichen Dinge, also kann er von ihnen träumen. Auch wenn die synaptischen Verbindungen schwächer werden, können scheinbar vergessene Ereignisse durch das Unterbewusstsein im Traum wieder auftauchen. Die Informationen in unserem Unterbewusstsein werden im Traum zusammengewürfelt wiedergegeben. Für uns ist keine Ordnung erkennbar, so als seien die Träume verschlüsselt, wie es Sigmund Freud schon aufgefallen ist. Es ist also möglich alles zu träumen, auch wenn man behauptet, nie über so was nachgedacht oder erlebt zu haben. Das Unterbewusstsein rechnet Eins und Eins zusammen und es entsteht etwas vollkommen Neues. Dabei spielt keine Rolle, ob es einen Sinn ergibt, oder nicht. Für Logik ist der Neocortex zuständig, der im Schlaf weniger aktiv ist. Das Unterbewusstsein gibt also nicht nur ganz stumpf Informationen wieder, sondern vermischt auch einige, sodass es so wirkt, als würde man etwas Neues träumen, oder es entsteht der Eindruck, man sehe es zum ersten Mal.

 

Doch warum fällt uns im Traum nicht auf, dass etwas Kurioses passiert? Würden wir in Realität so fliegen können, wie im Traum und von riesigen monsterartigen Kreaturen verfolgt werden, würden wir uns darüber Gedanken machen, ob wir nicht träumen oder Drogen konsumiert haben. Das kritische Bewusstsein ist dafür verantwortlich, die Realität vom Traum zu unterscheiden. Jedes mal, wenn wir etwas wahrnehmen oder machen, was scheinbar unmöglich ist, fragen wir uns, ob es sich hier um das reale Leben handelt. In Träumen allerdings ist das kritische Bewusstsein überwiegend abgeschaltet und so wundert man sich nach dem Aufwachen, warum man im Traum nicht gleich gemerkt hat, dass es nicht die Realität sein konnte. Dabei hinterfragt man nicht die unlogischen Dinge im Traum. Das hat zur Folge, dass man alles normal findet. Diejenigen, die sich allerdings oft mit ihren eigenen Träumen auseinandersetzen, sind im Normalfall jedoch in der Lage zu erkennen, dass es sich um einen Traum handelt, während man schläft. Das Einschalten des kritischen Bewusstseins beim Schlafen, ist die Grundvoraussetzung für einen Klartraum.

 

Warum ist es denn jetzt realistisch davon zu träumen, dass der Partner sich in einen Mutanten verwandelt? Dies kann natürlich mehrere Gründe haben, wobei der naheliegendste Grund auf die Hypothese von Allan Hobson zurück zuführen ist. Allan Hobson ist ein Traumforscher, der den REM-Schlaf untersucht. Laut ihm sind solche unnatürliche Erscheinungen im Traum Bewältigungsstrategien des Gehirns. Der Träumer kann also auf eine enttäuschende Situation hinsichtlich seiner Beziehung vorbereitet werden. Das Unterbewusstsein stärkt also präventiv die Psyche des Träumenden. Als Resultat kann der Träumende bei tatsächlichen Enttäuschungen des Partners gelassener reagieren oder bei einer Auflösung der Beziehung die Phasen der Trauer überspringen. Eine andere mögliche Ursache liegt unmittelbar in der Realität. Der Mutant ist eine Widerspiegelung der wahren Persönlichkeit des Partners, die vom Träumenden verdrängt wird. Im übertragenden Sinne wird der Partner in den Augen des Träumenden beispielsweise als eine Bedrohung angesehen. Du siehst also – man träumt nie ohne Grund.

 

"Chimp Brain in a jar"

Sekundärliteratur:

  1. Schandry. Biologische Psychologie
  2. Hausfeld, Rainer; Schulenberg, Wolfgang. BIOskop SII. Ausgabe 2010

Bild:

  1. Gaetan Lee. Chimp Brain in a jar. Flickr: https://www.flickr.com/photos/43078695@N00/1931470865

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